Erfolgreiche Fortsetzung der Pflegepraktika in Dänemark

Wie werden Hilfsmittel in der Pflege eingesetzt? Wie wohnt man in einem dänischen Pflegeheim? Gibt es Unterschiede im Umgang mit den Bewohnerinnen und Bewohnern?

Das Projekt „BOOST“ ermöglichte im April 2019 wieder für fünf Schülerinnen und Schüler der Grone Schule für Gesundheits- und Sozialberufe in Lübeck Praktika in Pflegeheimen in der dänischen Region Lolland Falster. Neben dem Praktikum standen auch ein Besuch beim Projektpartner SOSU Nykøbing Falster und Ausflüge in der Region auf dem Programm.

In ihren Reflexionen schildern zwei der Schülerinnen ihre Eindrücke und Erlebnisse:

Bianca

Ich habe mich an diesem Schüleraustauschprojekt beteiligt, weil ich erfahren wollte, wie sich die Pflege alter Menschen in Dänemark gestaltet.

Im vergangenen Herbst haben die dänischen Schüler uns bereits erste Unterschiede beschrieben und es war für mich schwer vorstellbar, wie sie die beschriebenen Praktiken in ihren Einrichtungen einsetzen, bzw. durchführen würden.

Erwartet habe ich einen unbürokratischen, hochmodernen Pflegeapparat mit vielen arbeitserleichternden Hilfsmitteln. Ein wundervoller Gedanke, aber leider auch im schönen Dänemark noch nicht erreicht.

In diesen drei Tagen, konnte ich einen kleinen Einblick in die unterschiedlichen Arbeitsweisen bekommen. Es war absolut schön zu erleben, mit welcher Ruhe und Gelassenheit, die dänischen Kollegen ihre Bewohner pflegen. Die Kommunen legen, ähnlich wie in Deutschland, nach körperlicher und psychischer Verfassung eine Pflegestufe für den Pflegebedürftigen fest und danach richtet sich das Pflegepersonal.

In Skovvej bedeutet dies, z.B. Pleje 3 = 40 Minuten für die Grundpflege inklusiver Benutzung aller Hilfsmittel und 14 Minuten für Dinge, die für das Wohlbefinden des Bewohners sorgen (z.B. Frühstück bringen, Unterhalten, Fenster öffnen und schließen …). Medikation sind nochmal zusätzliche 5 Minuten. Echte Zeit für einen Bewohner.

Absolut fantastisch fand ich die Vernetzung des Arztes mit dem Dokumentationssystems der Einrichtungen. Selbst die Krankenhäuser sind damit vernetzt und so hat das Pflegepersonal immer zugriff auf den genauen Krankenstand des Bewohners. Die Pflegekräfte benutzen alle, die von der Kommune zur Verfügung gestellten Hilfsmittel und zwar ohne Ausnahme. Die Erhaltung der eigenen Gesundheit ist oberstes Gebot.

Widersprüchlich hingegen fand ich die körperliche Pflege in Bezug auf den hygienischen Standard. Die sanitären Anlagen sind veraltet oder nicht, nach deutschen Maßstäben, gereinigt. […] Zudem der wirtschaftliche und umweltschonende Aspekt, durch die übermäßige Verwendung von Einmalwaschlappen.

Alles in allem, war dieses Projekt eine gelungene Erfahrung und auf jeden Fall eine Bereicherung. Eine Mischung aus deutscher Gründlichkeit und dänischer „Unbürokratie“ wäre bestimmt ein gelungenes Ergebnis für eine menschenwürdige Pflege.

Daniela

Ich war neugierig auf die Arbeitsabläufe und die Hilfsmittel der Dänen und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht. Die Dänen sind immer gelassen bei der Arbeit. Sie lassen sich nicht aus der Ruhe bringen und haben dabei immer ein Lächeln auf den Lippen.

Durch diese Gelassenheit gestalten sie sich ihre Arbeitsabläufe frei, sie stressen sich und den Bewohner nicht. Wenn ein Bewohner etwas nicht möchte, akzeptieren sie das und versuchen nicht den Bewohner vom Gegenteil zu überzeugen, wie viele deutsche es tun, um ihre Arbeitsabläufe abzuarbeiten.

Zu den Hilfsmitteln kann ich sagen, dass mich der Umgang damit sehr beeindruckt hat. Die Dänen achten sehr auf ihre eigene Gesundheit. Sie haben immer wieder betont, wie wichtig der eigene Rücken ist und das sie keinen Arbeitsablauf ohne Hilfsmittel tun.

Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen, selbst mehr auf mich zu achten. Ich werde ab sofort nur noch mit den vorhandenen Hilfsmitteln arbeiten und mich nicht vom Zeitdruck stressen lassen. Es war eine super Erfahrung, ich bin froh am BOOST-Projekt teilgenommen zu haben.